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Weg von Excel: wann Tabellen reichen und wann ein System nötig wird

Tabellen sind nicht das Problem. Das Problem beginnt, wenn ein Geschäftsvorgang an einer Datei hängt, die jemand auf seinem Rechner pflegt.

27. September 20263 Min. Lesezeit

Tabellenkalkulation hat einen Vorzug, den kein Fachsystem bietet: Wer ein Problem hat, kann es sofort selbst lösen. Keine Freigabe, kein Budget, kein Dienstleister. Deshalb entstehen in jedem Unternehmen Tabellen für Urlaubsplanung, Preislisten, Projektstände, Angebotsnachverfolgung und Maschinenbelegung.

Das ist zunächst ein Zeichen für Eigeninitiative. Eine Tabelle zeigt, wo Ihren Systemen etwas fehlt. Wer sie verbietet, ohne den Bedarf zu decken, bekommt dieselbe Tabelle unter anderem Namen zurück.

Für einmalige Auswertungen, Kalkulationen mit wechselnden Annahmen und Planungen einer einzelnen Person bleibt die Tabelle das passende Werkzeug. Auch als Entwurf für ein späteres System ist sie wertvoll: An einer über Jahre gewachsenen Tabelle lässt sich ablesen, welche Angaben im Alltag wirklich gebraucht werden.

  • Eine Person pflegt, andere lesen höchstens
  • Der Inhalt ist eine Rechnung oder Auswertung, kein laufender Vorgang
  • Ein Fehler fällt auf, bevor er Geld kostet
  • Die Datei lässt sich in kurzer Zeit neu aufbauen
BeobachtungWas dahinterstecktFolge
Mehrere Personen tragen gleichzeitig eindie Tabelle ist ein gemeinsamer Arbeitsplatzüberschriebene Einträge, mehrere Fassungen
Es gibt Dateien mit „neu“, „final“ und Datum im Namenniemand weiß, welche Fassung giltEntscheidungen auf altem Stand
Formeln und Makros versteht nur eine PersonWissen hängt an einem MenschenStillstand bei Abwesenheit
Werte werden aus anderen Systemen abgetipptes fehlt eine SchnittstelleÜbertragungsfehler, doppelte Arbeit
Kunden oder Lieferanten erhalten Auszüge per E-Maildie Tabelle ersetzt ein PortalRückfragen, kein gemeinsamer Stand
Niemand kann sagen, wer wann was geändert hates fehlt die NachvollziehbarkeitStreit im Fehlerfall, Risiko bei Prüfungen

Nicht jede Tabelle braucht eine eigene Anwendung. Der erste Weg ist der günstigste: Prüfen Sie, ob ein vorhandenes System die Aufgabe bereits kann. In Projekten sehen wir häufig, dass ERP oder CRM eine Funktion besitzen, die nie eingerichtet wurde, weil die Tabelle schneller zur Hand war.

Der zweite Weg ist eine kleine Fachanwendung mit Datenbank, Rollen und Änderungsverlauf. Sie lohnt sich, wenn der Vorgang zu Ihrem Geschäft gehört und kein Standardprodukt ihn trifft. Der dritte Weg ist ein Portal, wenn Kunden, Händler oder Lieferanten beteiligt sind und heute Auszüge per E-Mail erhalten.

Für alle drei Wege gilt: Die Tabelle ist das Pflichtenheft. Spalten werden zu Feldern, Farben zu Zuständen, Kommentare zu Regeln. Wer die Tabelle gemeinsam mit den Menschen durchgeht, die sie pflegen, erfährt dabei oft mehr als in einem langen Anforderungsworkshop.

Beginnen Sie nicht mit der größten Tabelle, sondern mit der riskantesten. Das ist die Datei, an der ein Vorgang mit Außenwirkung hängt: Angebote, Liefertermine, Abrechnung. Wenn diese Datei verloren geht oder einen Fehler enthält, merkt es der Kunde.

Lassen Sie die alte Tabelle für eine begrenzte Zeit neben dem neuen Werkzeug weiterlaufen und legen Sie den Tag fest, an dem sie schreibgeschützt wird. Ohne diesen Tag arbeiten beide Wege dauerhaft nebeneinander, und Sie haben ein System mehr statt einer Tabelle weniger.

Jetzt Bedarf klären

Müssen alle Tabellen im Unternehmen abgelöst werden?

Nein. Abgelöst werden Tabellen, an denen ein laufender Vorgang mit mehreren Beteiligten hängt. Auswertungen und Kalkulationen einzelner Personen können bleiben.

Reicht es, die Tabelle in eine gemeinsame Online-Ablage zu legen?

Das löst das Problem der Fassungen und des gleichzeitigen Zugriffs. Rollen, Pflichtfelder, Prüfregeln und Schnittstellen zu anderen Systemen entstehen dadurch nicht.

Wie gehen wir mit Mitarbeitenden um, die an ihrer Tabelle hängen?

Beziehen Sie sie als Fachleute ein. Wer die Tabelle gebaut hat, kennt den Vorgang am besten und sollte das neue Werkzeug mit abnehmen.