Drupal-Website: aktualisieren, migrieren oder neu bauen
Eine Version läuft aus, und die Frage steht im Raum, ob jetzt alles neu gemacht werden muss. Meist ist die Antwort differenzierter.
Der Anlass
Jede Hauptversion von Drupal hat ein festes Ende. Drupal 10 erhält bis zum 9. Dezember 2026 Sicherheitsupdates, die Unterstützung für Drupal 7 endete am 5. Januar 20251. Danach läuft die Website weiter, neu entdeckte Lücken werden aber nicht mehr geschlossen.
Das Datum erzeugt Druck, und unter Druck fällt die Entscheidung oft zu groß aus. Aus einem fälligen Update wird ein Relaunch mit neuer Gestaltung, neuer Struktur und neuen Funktionen. Das kann richtig sein. Es sollte aber eine Entscheidung sein und keine Folge des Termins.
Drei Wege
Aktualisieren heißt: Die Website bleibt, wie sie ist. Kern und Module werden auf die nächste Hauptversion gehoben, veralteter Code wird angepasst. Für Besucher und Redaktion ändert sich wenig.
Migrieren heißt: Es entsteht ein neues System, in das Inhalte, Nutzer und Dateien überführt werden. Struktur und Gestaltung können bleiben oder sich ändern. Dieser Weg ist nötig, wenn zwischen alter und neuer Version kein Update möglich ist, etwa von Drupal 7.
Neu bauen heißt: Konzept, Gestaltung und Inhalte werden neu gedacht. Übernommen wird, was sich bewährt hat.
Entscheidungshilfe
| Wenn … | dann eher … | weil |
|---|---|---|
| die Website ihre Aufgabe erfüllt und auf einer neueren Version läuft | aktualisieren | der Wechsel ein Update ist |
| viele Eigenentwicklungen ohne Pflege vorhanden sind | migrieren | die Anpassung teurer wird als der Neuaufbau der Funktion |
| die Website auf Drupal 7 läuft | migrieren | kein Update weiterführt |
| Struktur und Inhalte nicht mehr zum Unternehmen passen | neu bauen | eine Übernahme die alten Schwächen mitnimmt |
| die Redaktion das System meidet | neu bauen | die Ursache im Konzept liegt und nicht in der Version |
| das Budget in diesem Jahr knapp ist | aktualisieren | die Sicherheit hergestellt wird und der Rest warten kann |
Was gegen den großen Wurf spricht
Ein Relaunch bindet über Monate Menschen in Marketing, Vertrieb und IT. In dieser Zeit wird an der bestehenden Website wenig verbessert. Wenn die Website im Kern trägt, erreicht eine Folge kleiner Schritte oft mehr: erst das Update, dann die Startseite, dann die Produktseiten, dann die Suche.
Für den großen Wurf spricht, wenn die Mängel zusammenhängen. Eine Struktur, die nicht mehr passt, lässt sich nicht Seite für Seite ändern.
Ein Hinweis liefert die Redaktion. Pflegt sie die Website gern und regelmäßig, trägt das Konzept. Weicht sie auf Dokumente zum Herunterladen und auf Rundschreiben aus, weil Änderungen im System zu mühsam sind, dann liegt die Ursache tiefer als in der Version.
Was eine Prüfung des Bestands zeigt
Vor der Entscheidung steht ein Blick in das System. Er klärt, welche Module installiert sind und ob es sie für die Zielversion gibt, wie viel eigener Code vorhanden ist und wer ihn versteht, und in welchem Zustand die Inhalte sind. Das Ergebnis ist eine Liste mit drei Spalten: läuft weiter, muss angepasst werden, entfällt.
Aus dieser Liste ergibt sich der Aufwand für das Aktualisieren. Erst mit dieser Zahl lässt sich vergleichen, ob ein Neuaufbau teurer oder günstiger wäre.
Unsere Empfehlung
Beginnen Sie mit einer Prüfung des Bestands: Version, Module, Eigenentwicklungen, Zustand der Inhalte. Wenn die Website auf einer neueren Version läuft und ihre Aufgabe erfüllt, dann aktualisieren Sie und verbessern danach in Etappen. Wenn sie auf Drupal 7 läuft, dann planen Sie die Migration und entscheiden dabei bewusst, was sich außer der Technik ändern soll. Wenn Struktur und Inhalte nicht mehr passen, dann bauen Sie neu und sichern die alte Website für die Übergangszeit ab.
Quellen
- 1Drupal.org: Drupal core release schedule, ↩